Haupteingang des Uniklinukums von außen

PD Dr. Jens Maschmann

PD Dr. Jens Maschmann ist seit 2014 Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Jena. Ein Gespräch über medizinische Tagungen und Kongresse in Jena…

Live aus dem OP-Saal

Das Universitätsklinikum Jena ist die einzige hochschulmedizinische Einrichtung im Freistaat Thüringen. Über 52.000 Patienten werden hier jährlich stationär versorgt. Es verbindet dabei patientenorientierte Medizin, Pflege und Forschung auf internationalem Niveau und gibt diese Erfahrung und dieses Wissen durch innovative Lehre an die Mediziner von morgen weiter. In dieser Rolle ist es auch Veranstalter medizinischer Tagungen und Kongresse. Der in Frankfurt geborene Privatdozent Dr. Jens Maschmann ist hier seit 2014 Medizinischer Vorstand. Ein Gespräch…

Welche medizinischen Fachtagungen und Kongresse finden oder fanden bereits in Jena statt?

PD Dr. Jens Maschmann: Unter der wissenschaftlichen Leitung des Universitätsklinikums finden jährlich etwa 200 Veranstaltungen direkt am Klinikum bzw. in Jena statt. Das sind häufig eintägige, kleinere Symposien zu sehr spezifischen, fachwissenschaftlichen Themen oder zur Ärzteweiterbildung. Aber auch Jahreskongresse von Fachgesellschaften, zu denen dann einige Hundert Teilnehmer für mehrere Tage nach Jena kommen. Wir waren schon Gastgeber für 350 Kinderradiologen, für 700 Medizinphysiker oder für 300 Rehabilitationsmediziner, um Beispiele aus den letzten Jahren zu nennen.

Wer kommt zu einem Medizinkongress?

PD Dr. Maschmann: Medizinische Tagungen und Kongresse richten sich oft an ein vielschichtiges Publikum – natürlich an Ärzte und Ärztinnen, aber auch an Naturwissenschaftler, Psychologen oder Medizintechniker und die Studierenden in diesen Fächern. Für Fachkräfte in der Pflege oder Funktionsdiagnostik gibt es oft spezielle Sitzungen innerhalb der Kongresse oder eigene Tagungen. Unsere Radiologen bieten zum Beispiel jährlich ein Weiterbildungssymposium auch für Radiologieassistenten an. Nicht zu vergessen die Patienten und Angehörigen, für die oft spezielle Foren vorgesehen sind, was gewisse Anforderungen an die Infrastruktur stellt. Ganz wichtig sind da zum Beispiel barrierefreie Veranstaltungsräume. In unseren neuen Hörsälen haben wir sogar Plätze für Rollstuhlfahrer.

Stichwort Infrastruktur: Wie sehen medizinische Kongressformate aus? Gibt es hier besondere Programmpunkte und Präsentationsformen?

PD Dr. Maschmann: Ein großes Patientenforum, wie es zum Beispiel Bestandteil des Thüringischen Krebskongresses ist, braucht eine großzügige Zeitplanung und natürlich die Barrierefreiheit. Eine Besonderheit wissenschaftlicher Tagungen in der klinischen Medizin sind Live-Übertragungen von Untersuchungen oder Operationen in den Vortragssaal. Im Klinikum haben wir dafür die technische Ausstattung. Für Workshops und Hands-On-Kurse können wir die Funktionsräume und Lehrlabors nutzen, in denen auch studentische Kurse stattfinden, das ist ein großer Vorteil. Wie bei anderen Kongressen auch finden auf medizinischen Tagungen oft Postersitzungen und begleitend Ausstellungen von Industriepartnern und anderen Institutionen statt, die je nach Fachrichtung sehr umfangreich werden können.

Ein Kongress wird ja attraktiver, wenn das Programm von mehreren Partnern gestaltet wird. Das öffnet den Blick und fördert den Dialog auch über den fachlichen Tellerrand hinaus.

PD Dr. Jens Maschmann

Wie sehen Sie aus medizinischer Perspektive das Potential für Jena als Kongressstadt?

PD Dr. Maschmann: Auch bei Tagungen und Kongressen profitieren wir von den Wissenschafts- und Technologienetzwerken, in die wir hier zusammen mit vielen Partnern von Universität, den Beutenberg-Instituten, Ernst-Abbe-Hochschule oder innovativen Unternehmen der Region eingebunden sind. Ein Kongress wird ja attraktiver, wenn das Programm von mehreren Partnern gestaltet wird. Das öffnet den Blick und fördert den Dialog auch über den fachlichen Tellerrand hinaus. Der Sepsiskongress zum Beispiel bringt alle zwei Jahre Grundlagenwissenschaftler aus der Mikrobiologie und Biophotonik, mit denen wir große Forschungsprojekte vor allem für die Infektionsdiagnostik bearbeiten, mit Ärzten aus der klinischen Praxis, Intensivpflegekräften und auch Patientenvertretern zusammen. Leider erreicht er so eine Größe, dass bislang in Jena die Räumlichkeiten fehlen und wir nach Weimar ausweichen müssen.

Was interessiert die Kongressteilnehmer, wenn die Vorträge und Workshops des Tages vorbei sind?

PD Dr. Maschmann: Wir erleben immer wieder, dass unsere Tagungsgäste sehr angetan sind vom universitären Flair und der Lebendigkeit unserer Stadt. Mit der Stadt selbst, ihrer Kultur und Geschichte, den vielen außergewöhnlichen Sehenswürdigkeiten und der Landschaft ringsum kann das Beiprogramm schon mal zur echten Konkurrenz für die Vortragssitzungen werden. Gerade bei den jungen Tagungsgästen, zum Beispiel auf Nachwuchskongressen von Fachgesellschaften oder Bundestagungen studentischer Fachschaften, die wir auch schon zu Gast hatten, werben wir gern für Jena als attraktiven Lebens- und Arbeitsort.